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Letztens putze ich meine Wohnung, als ich bemerke, dass ich eine abartige Anzahl seltsamster Sprüche in meiner Wohnung angehäuft habe. Und wenn man weiß, wie winzig klein meine Wohnung ist, erscheint die Anzahl gleich noch abartiger. Aber da ich ja immer darauf aus bin, meine Leserinnen und Leser zu unterhalten, habe ich die Sprüche brav abfotografiert.

„ha, ich wollt dir auch grad schreiben. zwei dumme, ein gedanke …” Per Mail

„Stell dir vor, du schaust so gut aus, dass du jeden Tag alle Frauen zwischen 20 und 50 auf gackernde Hühner reduzierst.“ Im Gespräch

„Seit du weg bist, bin ich nur noch am Kotzen.“ Aus 2. Hand

“willst mir jetzt von deinen träumereien berichten oder lieber demnächst live bei bier oder willst es niederschreiben und mir verschämt aushändigen?” Im Chat

Ein Gespräch:

„Mein Humor ist ‘ne Mauer.“

„Ja, ja. ….. Hast du gesagt ‘mein Humor ist maumau’?

„Hast du darauf mit ‘ja, ja’ geantwortet?“

Wie aufregend, meine allererste Operation. Der Eingriff ist zwar so winzig und harmlos, dass er die Bezeichnung fast nicht verdient. Aber gehändelt wird das alles sehr, sehr ernsthaft. Wie bestellt, stehe ich also an einem Freitagmorgen um 7.30 Uhr im Krankenhaus. Aus irgendeinem Grund habe ich angenommen, dass das der Zeitpunkt meiner OP sein würde. Dem ist aber nicht so. Um die Zeit macht einfach die Ambulanz auf und man gibt mal Bescheid, dass man jetzt da wäre. Einige Formulare werden ausgefüllt und ich werde in den Wartebereich geschickt.

Dann sitze ich also auf meinem Stuhl und warte. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass sich dieses Warten noch ein wenig hinziehen könnte. Glücklicherweise lässt sich meine liebe Freundin, die mich eigentlich um 8.30 Uhr hätte abholen sollen, nicht davon abhalten, trotzdem zu kommen, um mir Gesellschaft zu leisten. Wie hätte sie auch ahnen können, was das bedeuten wird.

Als sie ankommt, erkläre ich ihr mal die Zusammensetzung im Wartezimmer. Immerhin bin ich schon ein Weilchen da. Nach zweieinhalb Stunden Herumsitzen und Beobachten, wie alle meine Bekannten schon hinter Türen verschwunden sind, habe ich plötzlich die Vision, dass die meine Akte verschustert und mich vergessen haben. So was könnte mir leicht passieren. Ich bin ja so ein angepasstes, geduldiges Schaf, das sich dann gegen Ende des Tages als letzte Patientin im Wartezimmer vorsichtig und entschuldigend räuspert, um sich bemerkbar zu machen.

Nein, nein. Nicht mit mir. Ich kann auch Wolf sein. Also bin ich ganz mutig und rotiere auf die Krankenschwester zu, als sie wieder mal einen Namen, der nicht der meinige ist, aufruft. Ich strahle sie an, mache quasi vor lauter Schuldgefühlen Bücklinge und sage zaghaft, dass ich nur mal so interessehalber, weil doch schon alle außer mir drin waren, nachfragen wollte, ob das eh alles passt. Ne, es passt eh alles und ich gehe brav zurück zu meinem Stuhl. Ihr könnt da ruhig lachen über mich. Aber ich lasse da Leute an mein Auge ran. Und das brauche ich noch.

Dann warten wir wieder. An dieser Stelle muss mal erwähnt sein, dass dieses Warten extrem spaßig ist. Ich habe ja meine liebe Freundin llladida dabei. Und wir zwei beide zusammen sind schon irgendwie lustig. Und je absurder die Situation (also etwa 4h auf einem Stuhl hocken), desto besser werden wir. Während also all die Wartenden um uns mit jeder Stunde grummeliger werden, fallen wir vor Lachen fast vom Stuhl. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass das die Leute sogar noch ein bisschen grantiger werden lässt.

Nach mehr als drei Stunden werde ich dann doch mal aufgerufen, nur mal so zur Vor-Vorbereitung. Blutdruck messen und so. Die Krankenschwester schaut mich dann ganz ernst an und sagt: „Ich möchte, dass Sie mir jetzt Ihren Namen und Ihr Geburtsdatum sagen.“ Kurz werde ich nervös. Wäre ja auch fatal, so kurz vorm Ziel einen Fehler zu machen. Ich bestehe den Test aber und kriege ein lustiges Armband verpasst. Da steht mein Name drauf. Wie bei Neugeborenen. Nur nicht in Rosa. Ich denke mir, dass das Band wohl gut und wichtig ist. Ich möchte ja nicht im Krankenhausdschungel verloren gehen. Und ich bin ja schon froh, dass die mir keinen Knopf durchs Ohr jagen oder ein Zeichen auf den Hintern brennen. Ich gehe dann also zurück zu meiner Herde, die etwas gelangweilt herumhängt, nach Fliegen schlägt und auf Gras herumkaut.

Wir warten dann noch mal ein bisschen. So ca. eineinhalb Stunden. Aber dann geht’s wirklich los. Haube auf den Kopf, Säcke über die Schuhe, Mantel an. Echt jetzt? Dieser ganze Aufwand für diesen winzigen Eingriff? Die haben meine Diagnose hoffentlich schon noch im Kopf? Jedenfalls wird mir die Prozedur dann erklärt, ich muss irgendeinen Wisch mit den Risiken unterschreiben, der Oberarzt persönlich schaut mir tief in die Augen und ich denke mir: Leute, macht mal halblang!

Und schon liege ich auf dem OP-Tisch, wo meine Augen präpariert werden. Und dann wird getropft und gepiekst. Während des gesamten Eingriffs sitzt eine Krankenschwester an meiner Seite, streichelt meinen Arm und redet beruhigend auf mich ein: „Einfach auf den Atem konzentrieren! Sie machen das ganz toll. Gleich haben Sie’s geschafft.“ Das darf doch nicht wahr sein! Mir wird hier doch kein Bein amputiert. Die ganze Situation erscheint mir so surreal, dass ich mich ganz fest konzentrieren muss, nicht loszulachen. Wir wollen ja nicht, dass diese angehende Ärztin mit ihrer Spritze verrutscht und meinen Augapfel aufspießt. Also lache ich nicht und mein Augapfel bleibt heil.

Ich versichere dem Team zum Abschluss, dass alles bestens ist, die Schmerzen erträglich waren und ich ziemlich sicher keinen Nervenzusammenbruch erleiden werde. Sie lassen mich gehen. Gut 5 Stunden nach meinem Auftauchen habe ich es also hinter mir.

Jetzt sehe ich aus wie die Frauen, die sich ihre Lippen aufspritzen lassen. Nur habe ich diesen Schlauch eben am Auge. Meines Wissens verlangt das derzeitige Schönheitsideal zwar nicht unbedingt nach vollen Augenlidern. Aber um ehrlich zu sein, viel schlimmer als Schlauchbootlippen schaut das jetzt auch nicht aus.

Ich habe das Sehvermögen eines Maulwurfs. Der erste Griff nach dem Aufstehen ist der nach meiner Brille. Zum Make-up Auftragen muss ich mich ganz nah an den Spiegel quetschen. Die Mascara-Bürste hinterlässt auf selbigem deshalb gerne Spuren. Wenn ich im Winter einen geheizten Raum betrete, tapse ich völlig verloren mit beschlagener Brille herum. Und Verkehrsschilder muss ich hochklettern, falls ich sie ohne Sehbehelf entschlüsseln möchte. Mich gibt’s quasi nicht ohne. Die Brille ist Teil meines Gesichtes. Deshalb ist der Kauf einer neuen auch ein extrem an den Nerven zerrendes Ereignis. Meine treue Brillensuch-Begleiterin kann davon ein Lied singen.

Im letzten halben Jahr habe ich gefühlte 50x einen dieser Läden betreten. Und jetzt habe ich es wieder gewagt. Mir ist nämlich ein Gutschein einer dieser Ketten ins Haus geflattert. In meiner Filiale wuseln immer unzählige Verkäufer und Verkäuferinnen herum. Ich aber habe das Glück, jedes Mal an den gleichen Typen zu geraten. Ohne übertreiben zu wollen, ist er mit Sicherheit der schlechteste Mitarbeiter des Jahres. Probiere ich eine Brille, rümpft er die Nase. Sage ich ihm, dass ich eine schwarze Brille suche, schlägt er mir zur Abwechslung was Farbiges vor. Will ich Kunststoff, empfiehlt er randlos. Allen Ernstes hat der mir vor einem Jahr statt einer Sonnenbrille eine selbsttönende (SELBSTTÖNENDE!) Brille andrehen wollen.

Kurzum, er hat ein richtig gutes Gespür dafür, was seine Kundin will. Der einzige Aspekt, bei dem wir einer Meinung sind, ist die aktuelle Unart, auf alle Brillenbügel Riesenlogos und Glitzerherzen (ich wünschte, das wäre ein Scherz) dranzupappen. Jedenfalls finde ich endlich eine Brille, die mir gefällt. Der Verkäufer hält sie im Vergleich zum Rest meiner Auswahl zumindest für das kleinere Übel. Da er aber doch ein gewisses Talent zur Verunsicherung hat, gehe ich auf Nummer sicher und bringe am nächsten Tag meine Lieblingseinkaufsberaterin mit.

Wieder tun zig Angestellte wahnsinnig beschäftigt und wieder kommt der Vollkoffer auf mich zu. Da meine Begleitung wirklich bei allen Brillenkäufen dabei ist, kennt sie den auch schon. Und wir überlegen noch gemeinsam, hinter welcher Säule wir in Deckung gehen sollen. Hilft alles nichts. Schon steht er vor uns und versprüht seinen Charme. Jeder humoristische Versuch unsererseits prallt an ihm ab. Jeder humoristische Versuch von seiner Seite ist … na sagen wir nicht besonders lustig. Ich erkläre ihm, dass ich eben noch mal die eine Brille probieren will, woraufhin er mit den Augen rollt und meint, dass er zu viele KundInnen hat, um sich am nächsten Tag noch zu erinnern. Eine gewinnende Person, sag ich doch.

Jedenfalls entschließe ich mich zum Kauf, denn zumindest bei meiner Begleitung findet meine Wahl Zustimmung. Und die Brille kann ja für den Verkäufer nichts. Ich muss hier natürlich nicht erwähnen, dass mein Brillengestell das vermutlich teuerste im ganzen Geschäft und von der Gratis-Aktion ausgenommen ist. Dann wird vermessen, was das Zeug hält. Hierhin schauen, dorthin. Kopf nach oben und hinten links rollen. Einmal mache ich den Fehler, dass ich statt des Kopfes meinen ganzen Oberkörper drehe. Als ich meine Unachtsamkeit bemerke, drehe ich flink den Oberkörper zurück. Aber so einfach geht das nicht. Leicht genervt lässt er mich von vorne beginnen: Oberkörper geradeaus, Kopf nach rechts und dann Pupillen wieder zurückdrehen. Das hätte ich im Leben auch nicht hinbekommen, nur den Oberkörper zurückzudrehen. Aber ich mache mich ja gern zum Affen, wenn’s anderen eine Freude bereitet. Also lass ich ihm seine Wichtigkeit, höre mir sogar noch irgendwelche Geschichten über Algorithmen an und nicke anerkennend. Langsam läuft er sich warm.

Und dann krieg ich ihn rum. Die Messung ergibt nämlich Folgendes: Ich habe einen exakt symmetrischen Pupillenabstand. Exakt dieselbe Entfernung von der Nasenwurzel nach links wie nach rechts. Er sagt das nicht ohne Anerkennung in der Stimme. Das gibt’s wohl nur selten. Die meisten Menschen weichen nämlich 0,5-1mm ab. Ha! Was sagt man dazu? Wenn mir das nächste Mal also jemand ganz tief in die Augen schaut, kann ich ganz selbstbewusst sagen: Na? Beeindruckt? Exakt symmetrischer Pupillenabstand! Ich bin sicher, das haut rein.

Meine Beraterin und ich können das Witzeln ob der erstaunlichen Neuigkeiten nicht lassen. Irgendwer muss ja schließlich für gute Laune sorgen. Wir haben’s also lustig und beraten die Vor- und Nachteile von Symmetrie. Seine Reaktion? „Ich rede hier nur von den Pupillen. Den Rest kann ich nicht beurteilen.“ Ganz reizend!

Irgendwann erinnert er sich schließlich doch wieder an mich und erklärt mir, dass ich Glück gehabt hätte, ihn noch zu erwischen. In ein paar Tagen wechselt er nämlich die Filiale. Tja, was bin ich doch für ein Glückspilz!

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