Du durchsuchst gerade das Monatsarchiv für den Dezember 2011.

Den Weihnachtswahnsinn habe ich inzwischen erfolgreich überstanden. Gerade mal noch, aber immerhin. Mit Würde habe ich es ertragen, dass Menschen, bevor sie mich fragen, wie’s mir denn geht, sorgenvoll die Stirn in Falten legen, mich feste an der Schulter packen und ganz viel Mitgefühl in ihren Blick legen. Also entweder ist meine Aura derzeit besonders mies oder allein der Umstand, dass ich bislang weder ein Haus gebaut noch mich vermehrt habe, genügt schon, einfach mal anzunehmen, dass so ein Leben beim besten Willen kein gutes sein kann.

Dabei war das Jahr 2011 gemessen an meinem Vorsatz sogar ein ausgezeichnetes. Mein Plan, mindestens einmal im Monat etwas Neues auszuprobieren, hab ich nämlich tatsächlich auch umgesetzt. Solltet ihr auch mal versuchen! Einfach mal Ja sagen, wenn’s euch ganz spontan nach einem entschiedenen Nein gelüstet. Ruhig mal was machen, was man sich bislang nie getraut hat. Man muss ja keine weltbewegenden Aufgaben meistern. Ich habe weder ein Leben gerettet noch mich an einem Gummiseil von einem Hochhaus gestürzt.

Aber ich war allein im Urlaub, im Theater (die Loge hatte ich auch ganz für mich), auf einem Konzert und im Pub. Das finden jetzt vielleicht viele überhaupt nicht bewundernswert. Aber das ist mir völlig egal. Ich halte mich seither für eine extrem coole Sau.

Ich hab angefangen, mich vegetarisch zu ernähren und wirklich regelmäßig Sport zu betreiben. Von wegen Alter und so. Das kann mich mal.

Ich hab meinen allerersten Vortrag auf Englisch gehalten. Mit tschechischer Simultanübersetzung! Im Saal konnten nämlich schlussendlich nur drei oder vier Leute Englisch. Dass mein Übersetzer mit den Vokabeln auch ein wenig überfordert war, wie er mir hinterher erklärte … Naja, so wichtig ist das ja nicht, was ich so vor mich hinbrabble.

Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Blut gespendet. Und das am dafür denkbar passendsten Ort: in der Roucher-Lounge der Lugner City. Aber wenigstens weiß ich jetzt meine Blutgruppe.

Neu war auch, dass ich mir einen Therapeuten gesucht habe. Der dreht mich seither regelmäßig durch den emotionalen Fleischwolf. Ich bin sozusagen eine wandelnde Frikadelle.

Und dann habe ich auch endlich mal wieder bis in die frühen Morgenstunden durchgetanzt.  Sogar meine Disco-Lippe habe ich dafür reaktiviert. Kennt ihr eh, oder? Lächeln andeuten und Lippen schürzen. Und dann immer kräftig die Hüften schwingen!

Es gab noch viele weitere neue Erfahrungen, auf die ich hier jetzt aber nicht näher eingehen will. Muss ja nicht sein. Ihr versteht schon, was der Plan war.

Kein Mensch sagt, dass ein Neujahrsvorsatz keinen Spaß machen darf. Deshalb wiederhole ich mein Experiment einfach. Da gibt’s noch so einiges, worin ich mich ausprobieren muss.

In diesem Sinne soll 2012 ein gutes Jahr werden. Lasst uns allerhand Neues wagen! Lasst uns mutig sein! Lasst uns ganz viel Spaß haben, viel tanzen und singen! Immerhin bleibt ja das Restrisiko, dass gegen Ende des Jahres die apokalyptischen Reiter angaloppieren – so fürchten jedenfalls manche.

Und ich weiß ja nicht, was ihr vorhabt. Aber ich … ich gehe, wenn schon, dann lachend zugrunde.

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