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Ihr kennt doch alle diese unsäglichen Mails, die einem von Zeit zu Zeit zugeschickt werden: grauenhafte Powerpointpräsentationen, die ach so unterhaltsam oder weise sein sollen. Angereichert durch möglichst grauenhafte Animationen. Schriftart mit Vorliebe Comic Sans. Alles schön bunt. Ihr wisst schon … Meistens ereilt einen auch ein Unglück, wenn man selbiges Mail nicht innerhalb von 7,5 Minuten an 34 seiner besten Freunde schickt.

Kürzlich aber habe ich eine Sammlung von Sprüchen bekommen, die ich euch in Ausschnitten nicht vorenthalten will. Die Quelle ist mir leider unbekannt. Auf meinem Mist ist das Folgende jedenfalls nicht gewachsen. Schade irgendwie:

  • Do not argue with an idiot. He will drag you down to his level and beat you with experience.
  • The last thing I want to do is hurt you, but it’s still on the list.
  • Light travels faster than sound. This is why some people appear bright until you hear them speak.
  • If I agreed with you, we’d both be wrong.
  • We never really grow up, we only learn how to act in public.
  • Knowledge is knowing a tomato is a fruit. Wisdom is not putting it in a fruit salad.
  • The early bird might get the worm, but the second mouse gets the cheese.
  • You’re never too old to learn something stupid.
  • Some people are like Slinkies … Not really good for anything, but you can’t help smiling when you see one tumble down the stairs.
  • I didn’t say it was your fault, I said I was blaming you.
  • Why does someone believe you when you say there are four billion stars, but check when you say the paint is wet?
  • The voices in my head may not be real, but they have some good ideas!
  • Hospitality: making your guests feel like they’re at home, even if you wish they were.
  • I discovered I scream the same way whether I’m about to be devoured by a great white shark or if a piece of seaweed touches my foot.
  • There’s a fine line between cuddling and holding someone down so they can’t get away.
  • I used to be indecisive. Now I’m not sure.
  • Some people hear voices. Some see invisible people. Others have no imagination whatsoever.
  • I always take life with a grain of salt, plus a slice of lemon, and a shot of tequila.

Das sagt alles.

Salieri ist mein Schutzheiliger. Der bezeichnet sich nämlich als Schutzheiliger des Mittelmaßes in „Amadeus“. Habe ich gestern in der Josefstadt gelernt. Sehr zu empfehlen im Übrigen. Kurzweilig ist es. Die Schauspieler sind allesamt großartig, das Bühnenbild ist toll und erst die Kleider. Wie gern würde ich mal in diese pfirsichfarbene Tüllwolke der Cavalieri schlüpfen. Wenn ich dann auch noch so singen könnte … Aber was soll ich sagen: Ich bin verdammt zur Talentfreiheit.

In einem anderen Leben wäre ich gern Jazz-Sängerin. Alles inklusive: Verrauchter Club, schwarzes Kleid, ganz viel Drama. Allein die Töne sitzen bei mir nicht immer da, wo sie eigentlich sein sollten.

Vor ein paar Monaten habe ich mir ein Stagepiano gekauft. In der Hoffnung, dass vielleicht Jazzpiano ein guter Ersatz sein könnte. Denkste! Bis ich das drauf habe, sind meine Finger eh längst arthritisch. Und solange meine Ohren kaum eine Oktave von einer Quint unterscheiden können, schaut’s duster aus. Zappenduster.

Wenn’s ums Schreiben geht, schaffe ich gerade mal alle heiligen Zeiten einen Blog-Eintrag. Und diese Einträge sind, um ehrlich zu sein, ja auch nur im schnoddrigen Plapperton formuliert. Literarische Meisterwerke lesen sich anders.

Tanzen tu ich wirklich gern. Um hier aber auf Talentsuche zu gehen, müsste ich wohl öfter als alle 3-4 Jahre Gelegenheit zum Schwingen des Tanzbeins haben.

Auf der Bühne gestanden bin ich auch schon. Der Regisseur hat mir damals allerdings auch nicht gerade ans Herz gelegt, mein schauspielerisches Talent unbedingt weiterzuverfolgen, weil das ansonsten ein großer Verlust für den kulturaffinen Teil der Menschheit wäre.

Gemalt habe ich das letzte Mal vor 10 Jahren und fotografieren kann heutzutage eh jeder.

Mittelmaß also. Vorhin habe ich aber entdeckt, dass ich doch eines habe. Ein Talent, meine ich. Und zwar das zur Tagträumerei. Jetzt sagt ihr vielleicht, dass das nichts Besonderes ist und ihr das auch alle könnt. Aber da muss ich widersprechen. Ich kann das besser. Eben sitze ich in der Küche, trinke meinen Kaffee und entschwinde. Und das Drehbuch in meinem Kopf ist so gut, dass ich plötzlich in lautes Lachen ausbreche. Lautes Lachen! Nur mit mir selbst! Andere würden das vielleicht als bedenkliches Anzeichen für einen nahenden psychotischen Schub deuten. Nicht doch. Ich freue mich darüber, endlich ein Talent gefunden zu haben.

Ich bin auch schon mal gegen eine Straßenlaterne geknallt, weil ich so intensiv mit der Regie meiner Kopfgeschichten beschäftigt war. Ich kann mich ebenso gut selbst zu Tränen rühren wie milde lächelnd auf der Straße herumwandern. In meinem Kopf bin ich so unglaublich schlagfertig und eine Meisterin der physical comedy, dass selbst Diane Keaton blass ausschaut.

Und im echten Leben habe ich dann zumindest noch meine Fähigkeit, über mich selbst und meine Mittelmäßigkeit lachen zu können. Immer wieder und richtig laut.

Dass ich aussehe wie Aki Hakala von The Rasmus hätten wir ja schon geklärt. Seit neuestem wird mir aber auch eine Ähnlichkeit mit Hemingway nachgesagt. Und, also bitte, wir reden hier jetzt nicht über Äußerlichkeiten.

Angeblich neigen Ernest und ich dazu, uns kurz zu fassen. Innerhalb eines Satzes wohlgemerkt. Ist doch was Gutes, nicht?

“Autoren sollten stehend an einem Pult schreiben. Dann würden ihnen ganz von selbst kurze Sätze einfallen”, soll Mr. Hemingway gesagt haben. Wäre doch gut, wenn mal irgendwer Thomas Mann den Stuhl unterm Hintern weggezogen hätte, oder?

Ich bin aber durchaus in der Lage, kompliziert verschachtelte Sätze zu formulieren. Besser noch: Ich kann sie sogar analysieren. Das hab ich mal gelernt. Jawoll!

Probieren wir mal: Ernest Hemingway, ein bekannter US-amerikanischer Literat, der sich im Jahr 1961 das Leben genommen hat, ähnelt in seiner Eigenart, kurze, prägnante Sätze zu schreiben, der unglaublich talentierten amazingteeth, die auf dem besten Weg ist, die Blogosphäre für sich einzunehmen, indem sie in ihre Einträge möglichst viel Witz und Charme einfließen lässt, obwohl ihre Statistiken den zukünftigen Erfolg derzeit noch nicht vermuten lassen.

Und dazu die Analyse: Wir beginnen mit einem Hauptsatz, der von einer Beifügung, an die sich ein Attributsatz schmiegt, unterbrochen wird, und dann seine Fortführung findet. Er endet aber nicht sofort, sondern wird abermals von einer Infinitivgruppe (früher zwingend durch ein Komma abzuteilen, heute sieht man das nicht mehr so eng) abgestoppt. Dann aber kommt er endlich zur Ruhe, der Hauptsatz, was aber einen neuerlichen Attributsatz, in den eine Infinitivgruppe eingeschoben ist, sowie einen Modalsatz nicht davon abhält, auch mitzumischen. Zuletzt klammert sich sogar noch ein Konsekutivsatz an. Ein hartnäckiges Kerlchen!

Im Kampf Ernest gegen amazingteeth steht’s übrigens 1:1: Er hat den Nobelpreis für Literatur, aber ich bin lebendig.

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